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Presseinfo 2017/5: Eine Kommune schafft Vertrauen: Zentrale Wärme - Weitingen am Netz

 

Eutingen im Gäu. Steffen Franks Idee war richtig gut: Mit einem kleinen Flüssiggas-BHKW neben seinem Haus wollte der ursprüngliche Heizungsbaumeister sich selbst und die gesamte Nachbarschaft klimafreundlich mit Wärme versorgen. Ein attraktives Vorhaben, fand die Gemeinde Eutingen, bei der er wegen notwendiger Genehmigungen angeklopft hatte. Mit Blick auf das zeitgleich entstehende Neubaugebiet im Ortsteil Weitingen entwickelte sich nun der gemeinsame Plan, das Projekt von Beginn an viel größer zu konzipieren. Das war im Jahr 2013. Heute ist Steffen Frank Geschäftsführer der GäuWärme GmbH, die nach Abschluss des dritten Bauabschnitts 190 Haushalte, davon 25 Neubauten, mit Wärme beliefern wird. Der vierte Bauabschnitt ist bereits in Planung.

Bild: Hermann Nesch

„Ich habe damit ein Stück Zukunft für die Gemeinde geschaffen“, freut sich Frank, der 60 Prozent der Unternehmensanteile hält.  Er verweist auf eine CO2-Einsparung von 960 Tonnen allein im Jahr 2016. Denn anstelle der alten, mit fossilen Brennstoffen betriebenen Heizungen wird heute in einer zentralen Holzhackschnitzelanlage Wärme mit heimischem Holz produziert. Ein 12 Kilometer umfassendes gedämmtes Rohrleitungsnetz verteilt sie in die angeschlossenen Gebäude. Den ehemaligen Heizraum können deren Besitzer nun anderweitig nutzen. Ziel ist es, das Nahwärmenetz auf die ganze Gemeinde auszudehnen. Neben Klimaschutzaspekten benennt Bürgermeister Armin Jöchle dafür noch eine weitere Triebfeder: „die erzeugte Wirtschaftsleistung vor Ort und in der Region“.

Pate bei der Umsetzung stand nicht zuletzt der „große Bruder“, die WeilerWärme eG in Pfalzgrafenweiler. Deren erfahrener Betreiber, Siegfried Neub, ist als einer der drei Gesellschafter auch am direkten Geschehen der GäuWärme beteiligt. Doch gibt es einen gravierenden Unterschied: Die WeilerWärme ist, wie so viele Nahwärmenetze, genossenschaftlich organisiert, die GäuWärme hingegen eine GmbH mit kommunaler Beteiligung. Warum das? – ist man geneigt zu fragen. Nach Steffen Franks Bericht interessierten sich schon bei der ersten Infoveranstaltung 350 Bürgerinnen und Bürger für das innovative Projekt.

„Wir hätten zuerst die Genossenschaft gründen müssen, ohne vertragliche Zusagen für eine spätere Heizleistung machen zu können. Dieser Vertrauensvorschuss fällt uns Schwaben nicht leicht“, schmunzelt Frank. Also schien eine GmbH die Lösung. Doch die kann wirtschaftlich scheitern – und dann? Zur Garantin für kontinuierliche Wärme wurde schließlich die Gemeinde Eutingen, die sich mit 30 Prozent an der GmbH beteiligte. Bürgermeister Armin Jöchle wies die Bürgerschaft darauf hin, dass sie von der Kommune bereits verlässlich mit Wasser versorgt werde und versprach: „Dann werden wir das auch mit der Wärme hinbekommen.“ Als Gesellschafterin könne die Gemeinde nämlich die unternehmerischen Ziele im Sinne der Bürgerschaft mitbestimmen. Mit dieser Perspektive war das Vertrauen auch bei den letzten Wankelmütigen endgültig hergestellt.

Insgesamt profitiere die GäuWärme GmbH sehr von der kommunalen Beteiligung. „Eine win-win-Situation“, bewertet der Geschäftsführer die Konstellation. Gerade wenn es um Informationen z.B. zu Wegerechten oder die Einsicht in Pläne gehe, beschleunige die Nähe zur Gemeinde  die Abläufe. Entscheidungen könnten jenseits der bürokratischen Verwaltungsstrukturen allerdings sehr viel schneller getroffen werden. Umgekehrt profitiere die Gemeinde von klimafreundlicher Wärmeversorgung und lokaler Wertschöpfung. Sollte aber je eine Störung im Betrieb auftreten, dürfe er als Geschäftsführer natürlich schnell durchgreifen. Steffen Frank zeigt sich in dieser Frage sehr entspannt. Um Störungen und auch Nachfragespitzen aufzufangen, gäbe es auf jeden Fall genügend Redundanzkessel. „Aber bisher war es immer warm!“ fasst er zusammen.



Pressekontakt:
Trix Saurenhaus
Energieagentur Regio Freiburg GmbH
Tel.: 0761-79177-16
E-Mail: saurenhaus@energieagentur-freiburg.de