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Kommunaler Klimaschutz in Freiburg

 

Verwaltung schlägt Gemeinderat neue Gesamtstrategie

für Klimaschutz mit aktualisiertem Klimaschutzziel vor

Pressemitteilung der Stadt Feiburg vom 12.6.2007

 

Verwaltung schlägt Gemeinderat neue Gesamtstrategie

für Klimaschutz mit aktualisiertem Klimaschutzziel vor

 

Ziel ist, die CO2-Emissionen um mindestens 30% bis

2030 zu reduzieren. Unter verbesserten europäischen und

nationalen Rahmenbedingungen wären 40% möglich

 

Ab 2008 sollen jährlich 10% der Konzessionsabgabe von

badenova für städtische Klimaschutzprojekte, vor allem

im investiven Bereich, eingesetzt werden.

 

OB Salomon: „Wir sind mit der Freiburger Klimapolitik

auf dem richtigen Weg und haben schon viel erreicht.

Jetzt wollen wir unsere Anstrengungen noch verstärken

und die Ziele schärfer fassen: Der Klimaschutz rückt an

die erste Stelle der Stadtpolitik.“

 

Neues Gutachten des Öko-Instituts liefert fachliche Basis

Stuchlik: „12 Punkte Programm zum Klimaschutz“ und

„Maßnahmenpaket Klimaschutz“ soll Freiburg im Klimaschutz

weiter nach vorne bringen“

 

Der weltweite Klimawandel ist mittlerweile leider unbestreitbare

Tatsache. Die Eindämmung der Klimaveränderungen und

ihrer massiven Folgen erfordert neben raschem und entschiedenem

(inter)nationalem auch engagiertes lokales Handeln.

Kommunen und Städte werden in Zukunft eine immer

wichtigere Rolle im Klimaschutz spielen.

 

„Der Klimawandel findet zwar weltweit statt, aber er beginnt

vor Ort, vor der eigenen Haustür. Gerade auf der kommuna-

len Ebene müssen alle Akteure/innen ihre Handlungsmöglichkeiten

ausschöpfen.“ so Oberbürgermeister Dieter Salomon.

„Eine wirksame Klimaschutzpolitik ist die Summe aus vielen

kleinen Schritten und Maßnahmen, die ineinander greifen,

sich gegenseitig ergänzen und zusammen zum Ziel führen.“

 

Klimaschutz ist schon lange ein politisches Schwerpunktthema

für die Stadt Freiburg. 1996 beschloss der Gemeinderat

ein Klimaschutzkonzept mit dem Ziel, bis 2010 rund 25% der

CO2-Emissionen in Freiburg einzusparen. 75% der Emissionen

wurden damals im Energiebereich und 25% im Verkehrsbereich

ermittelt. Die gesamten Emissionen lagen bei knapp 2

Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Um die C02-Emissionen

langfristig zu senken, wurden in den vergangenen Jahren

zahlreiche Maßnahmen in den Handlungsfeldern Energieeffizienz,

Energieeinsparung, erneuerbare Energien und Verkehr

ergriffen. Beispiele hierfür sind die Fortentwicklung der Niedrigenergiebauweise,

das Förderprogramm Wärmeschutz im

Altbau, der Ausbau der dezentralen Kraftwärmekopplung und

der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung. Beispielhaft

und dadurch überregional bekannt ist die Umsetzung

nachhaltiger Konzepte in den neuen Stadtteilen Rieselfeld

und Vauban.

 

Die Stadt selbst unternahm bei ihren eigenen Gebäuden große

Anstrengungen: verschiedene Contracting-Maßnahmen

wurden realisiert, alte Heizungsanlagen erneuert und geeignete

Dachflächen für Photovoltaik-Module gesucht und Dritten

zur Verfügung gestellt. Im Verkehrsbereich wurden u.a. das

Freiburger Stadtbahnnetz sowie die Infrastruktur für Rad- und

Fußgängerverkehr weiter ausgebaut.

 

Die Klimabilanz 1992-2003 , die im Jahr 2005 erarbeitet wurde,

zeigt erste Ergebnisse der Bemühungen im Klimaschutz.

In den Bereichen Energie und Verkehr sanken in diesem Zeitraum

die Emissionen um absolut 5% gegenüber 1992. „Freiburg

hat damit zwar die Trendwende geschafft“, so Umweltbürgermeisterin

Gerda Stuchlik bei der Vorstellung der aktualisierten

Klimaschutzstrategie. Dennoch kann trotz aller Bemühungen

das 1996 beschlossene städtische Klimaschutzziel

(25% Reduktion der Freiburger CO2-Emissionen bis 2010)

nicht mehr erreicht werden. Gründe hierfür sind vor allem die

bisher unzureichenden nationalen Rahmenbedingungen für

den Klimaschutz auf allen politischen Ebenen. Auch konnten

nicht alle im Gutachten von 1996 vorgeschlagenen Vorhaben

umgesetzt werden. So ist zum Beispiel der angedachte große

Wärmeverbund von Wärmeverbundkraftwerk und Uni-

Heizkraftwerk nicht zustande gekommen. Bei der Windkraft

können die vorhandenen weiteren Potenziale wegen der neu

geregelten Planungshoheit beim Regionalverband und der

restriktiven Haltung der Landesregierung nicht in Gänze ausgeschöpft

werden.

 

Daher müssen die Anstrengungen in den Bereichen, in denen

die Stadt und die örtlichen Akteure Einfluss nehmen können,

in Zukunft verstärkt werden. Dazu wurde im Auftrag der

Stadt ein neues Klimaschutzgutachten durch das Öko-Institut

und die Energieagentur Regio Freiburg erarbeitet. Ziel des

neuen Gutachtens ist es, das bisherige Freiburger Klimaschutzkonzept

von 1996, das damals beschlossene Klimaschutzziel

sowie den städtischen Klimaschutzplan zu überprüfen,

aktualisiert fortzuschreiben und für einen mittelfristigen

Zeithorizont eine Strategie zu entwickeln.

 

Klimagutachten 2007/Szenarien und Maßnahmenplan:

 

Das Gutachten besteht aus zwei Hauptteilen: vier Szenarien

ermitteln das in Freiburg mögliche CO2-Reduktionspotenzial

bis zum Jahr 2030 unter verschiedenen Rahmenbedingungen.

Ein Maßnahmenplan beschreibt grundsätzliche Aktionsfelder

und einzelne Maßnahmen im kommunalen Klimaschutz.

 

Szenarien

 

Für die vier Szenarien wurde der Energiebedarf aller

Verbrauchsbereiche in Freiburg aktualisiert abgeschätzt.

 

Das Basisszenario mit einer kalkulierten CO2-Minderung

von 8% zeigt die Entwicklung der CO2 Emissionen ohne aktive

Klimaschutzpolitik der Stadt. Der prognostizierte leichte

Rückgang der Emissionen ist nur der technischen Entwicklung

zu verdanken und bleibt weit hinter den durch aktives

Handeln erzielbaren Einsparungen zurück.

 

Das zweite Szenario (Referenzszenario) mit einer CO2-

Minderung von 14% berechnet das Reduktionspotential der

heute bereits durch die Stadt umgesetzten vielschichtigen

Aktivitäten (ohne neue zusätzliche Maßnahmen, also den status

quo). Wesentliche Akteure sind die Stadt selbst, inklusive

Gesellschaften, aber auch alle anderen Handlungsträger in

der Stadt, wie BürgerInnen, Wirtschaft, Verbände, Energieversorgungsunternehmen,

Wohnungsbaugesellschaften, Universität

usw.

 

Das dritte Szenario (Fokus Stadt) mit einer möglichen CO2-

Minderung von 26% ist eine sehr ambitionierte Steigerung

der bisherigen Freiburger Klimaschutzmaßnahmen. Dazu

müssen sowohl die Stadt in ihrem eigenen Handlungsbereich

als auch alle anderen relevanten Akteure ihre Klimaschutzanstrengungen

erheblich ausweiten

 

Das vierte Szenario (optimales Umfeld) mit einer CO2-

Minderung von 39% setzt voraus, dass die entsprechenden

externen Rahmenbedingungen auf allen Ebenen (EU, Bund

und Länder) positiv und ambitioniert verändert werden.

 

Maßnahmenplan

 

Der Maßnahmenplan des Gutachtens zeigt die grundsätzlichen

städtischen Handlungsoptionen auf und enthält sowohl

kurzfristig umsetzbare Maßnahmen als auch mittel- und langfristige

Ansätze auf sechs Aktionsfeldern:

- Kommunale Entwicklungsplanung

- Kommunale Gebäude und Anlagen

- Versorgung, Entsorgung

- Mobilität

- Interne Organisation

- Kommunikation, Kooperation

 

Aktualisiertes Klimaschutzziel

 

Das bisher Erreichte ist gut, aber noch nicht gut genug. Angesichts

der Bedeutung des Klimaschutzes muss die städtische

Klimaschutzpolitik strategisch weiterentwickelt werden. Dazu

schlägt die Verwaltung in Anlehnung an das Szenario „Fokus

Stadt“ als neues städtisches Klimaschutzziel im Vergleich

zum Bezugsjahr 1992 eine Reduktion der CO2-Emissionen in

Freiburg von mindestens 30% bis zum Jahr 2030 vor.

 

Vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte zum Klimaschutz

und der absehbaren bzw. angekündigten Initiativen auf internationaler

und nationaler sowie auf EU-Ebene bestehen gute

Chancen, dass in den kommenden Jahren die externen Rahmenbedingungen

für den kommunalen Klimaschutz ambitioniert

verbessert werden.Unter diesen Voraussetzungen erscheint

auch ein Einsparziel von 40% möglich.

 

Wie können diese Ziele erreicht werden?

 

Um die vorgeschlagenen Freiburger Klimaschutzziele erreichen

zu können, will die Verwaltung den Ressourceneinsatz

für den Klimaschutz deutlich verstärken. Da der Energieverbrauch

Hauptverursacher der CO2-Emissionen in Freiburg

ist, ist es politisch folgerichtig, Einnahmen, die der Stadt aus

dem Energieverkauf durch die badenova über die Konzessionsabgabe

zufließen, einzusetzen. Daher sollen ab dem Jahr

2008 jährlich 10% (aktuell rund 1,2 Mio €), zweckgebunden

für zusätzliche neue Klimaschutzvorhaben eingesetzt werden.

 

Diese zusätzlichen finanziellen Mittel sollen vor allem im Verkehrs-

und Gebäudebereich investiert werden. Bis Ende 2007

will die Verwaltung dem Gemeinderat dazu ein detailliertes

Konzept vorlegen. Vorgesehene erste Projekte sind:

 

• Umsetzung des Passivhausstandards für Neubauten

und städtische Gebäude, hier vor allem Schulen

• Blockheizkraftwerke (BHKW) in öffentlichen Gebäuden

und Schulen

• „Stadt der kurzen Wege“, also weiterer Ausbau von

Radwegen und Fußgängerverkehr

 

12-Punkte-Programm für kurzfristige Klimaschutzmaßnahmen

 

In diesem auf dem Maßnahmenplan basierenden Programm

sind die wichtigsten städtischen Klimaschutzprojekte aufgelistet,

auf die sich in den nächsten zwei Jahren die städtische

Klimaschutzpolitik konzentrieren wird:

 

• Errichtung des neuen zusätzlichen Dachgeschosses

der Wentzinger-Ganztagesschule im Passivhausstandard

• „Lernende Organisation“: Schulung der Verantwortlichen

für den Betrieb von Energieversorgungsanlagen

• Verwaltungskonzentration im Technischen Rathaus:

Prüfauftrag aus energetischer Sicht, ob und inwieweit

Energieeinsparungen möglich sind

• Intracting: Umsetzung sehr wirtschaftlicher, mit kurzer

Amortisationszeit versehener Energiesparmaßnahmen

im Gebäudebestand.

• Städtebauliche Instrumente wie frühzeitige solare Optimierung

städtebaulicher Entwürfe, Umsetzung von

Energiekonzepten in städtebaulichen Verträgen, Stadtteilentwicklungspläne,

umweltfreundliche Verkehrskonzepte

• Energieberatung durch das „Beratungszentrum Bauen“:

frühzeitige Information von Bauwilligen über Konzepte

zum Klimaschutz und Angebote zur Energieberatung

• Umstellung der Straßenbeleuchtung auf umweltfreundliche

Natriumdampflampen

• Umstellung des städtischen Fuhrparks, u.a. durch künftigen

Einsatz von Erdgasfahrzeugen

• Fortführung des Förderprogramms „Wärmeschutz im

Altbau“

• Konzeptentwicklung für Nachrüstung Kraft-Wärme-

Kopplung im Wohnungsbau, bei Gewerbe und

Industrie

• „Freiburger CO2-Diät“ – Start eines internetgestützten

Moduls zur Ermittlung und Verbesserung der persönlichen

CO2-Bilanz

• Vortragsreihe „Nachhaltigkeit als Lebenskunst“ gemeinsam

mit den Kirchen

 

In Zukunft beabsichtigt die Verwaltung, parallel zu jedem

neuen Doppelhaushalt ein „Maßnahmenpaket Klimaschutz“

zu erarbeiten und dem Gemeinderat zur Beschlussfassung

vorzulegen.

 

Fazit: Das aktualisierte Klimaschutzziel ist ehrgeizig und kann

nur erreicht werden, wenn – neben einer umfassenden Flankierung

durch günstige Rahmenbedingungen von EU, Bund,

Land und Region - alle Handlungsträger in Freiburg (BürgerInnen,

Universität, Gewerbe, Handel, Industrie, Wohnungswirtschaft

usw.) sich der Stadt anschließen und dem Klimaschutz

in Zukunft absolute Priorität einräumen. Die Stadt appelliert

in diesem Sinne an alle Akteure/innen, ihre Verantwortung

für den Klimaschutz wahrzunehmen.

 

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